Alte Liebe rostet.

Jan, der gar nicht wirklich Jan heißt , war drei Monate Teil meines Lebens.
Jan brach mir das Herz, indem er mich abschoss und dann mit seiner jetzigen Freundin zusammenkam, mit der er wohl schon was hatte, während zwischen uns noch etwas lief.

Jan wurde mit Tequila, Tränen und Toblerone verbannt.

Jan war auch der einzige meiner Romanzen, die ich einfach so hasstliebte, dass ich jeglichen Kontakt abbrach. Kein „Lass uns Freunde bleiben.“ , keine Aussprache. Kein sauberer Cut. Ein dreckiger und hässlicher, kindischer, wütender Bruch.

Kreativität, die Liebe zur Musik, Wortakrobatik und meine Schwäche für Mediziner standen einem Kerl gegenüber, der sich einfach nicht in mich verliebte. Und nicht ehrlich zu sich selbst und zu mir war. Ich hassknutschte einen anderen, ich weinte, ich schrieb fürchterlich sentimentale Nachrichten in der Nacht. Ich verhielt mich so, wie niemand es tun sollte.
Was würde passieren, wenn ich den Kontakt mit Jan aufnehmen würde? Wäre ich nach zwei Jahren, viel Selbstreflexion, Tequila, Tränen und Toblerone „sicher“ vor ihm? Möchte ich das überhaupt wissen? Warum wäre es wichtig? Lange vergesse ich diesen Gedanken. Bis jetzt.
Jan und ich lieben Rap. Als er seine eigenen Songs veröffentlichte beglückwünschte ich ihn nach unserem Ende kurz, da ich es wirklich gut fand. Danach war wieder Funkstille. Nun ist es über zwei Jahre her, ich hör ins VBT rein. Ein überkrasser Song, von einem Mitglied der alten Garde vom VBT ist hochgeladen worden. Ich denke an Jan. Und schicke ihm ohne große Überlegung den Link zum Video.
Zu meiner Verwunderung antwortete Jan sofort. Wir schreiben lange über Musik, bis er meint: „Sorry, für alle Verletzungen.“
Ich bin verwundert. Jetzt? Ich schreibe, dass ich wusste, was ich wollte und es ok ist. Mein 2014- Ich zieht eine Augenbraue hoch. Aber das war es auch schon. Er fragt wie es mir geht, was ich mach, die Frage nach meinem Beziehungsstatus schwebt irgendwie im Chat. Ich erzähle vom Freund, vom baldigen neuen Studium, er von seinem Staatsexamen und seiner Freundin. Ich nenne ihn scherzhaft Rapbrudi. Das wurmt ihn. Warum ich denn die Grenze ziehen müsste. Was erwartet er denn von mir? Er fragt, ob ich meinen Kindern von ihm erzählen würde. Ob er denn von mir erzählen würde, frage ich ihn: „Ja von der sozialistischen Sprachvirtuosin.“ Wir resümieren, dass Worte unsere Basis waren. Bestimmt würden wir uns irgendwann mal wiedersehen. Ja klar.
Alles lässt mich ziemlich kalt. Irgendein Teil von mir ist sogar enttäuscht, von den fehlenden Gefühlen. Der größte Teil jedoch ist stolz auf das Selbstbewusstsein, dass sich immer weiter entwickelt hat, auf die Ziele, die tollen Freunde und lieben Menschen, die einen nicht enttäuschen. Nur um nun noch eine Erkenntnis reicher zu sein: Alte Liebe rostet.

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